Mary & Ady: Seit 7 Jahren mit dem Katamaran MARADY um die Welt | Portrait

Valeria

Mary und Ady aus Sursee haben es gewagt. Vor 7 Jahren haben sie alles aufgegeben und segeln seit da auf ihrem Katamaran MARADY um die Welt. Die beiden sind im Vergleich zu vielen anderen Seglern noch relativ jung, wenn man das mit Ende 40zig noch sagen darf. Sie fällten den Entscheid, mit ihrem Katamaran die Welt zu erkunden, in einem Alter, in dem man den Einstieg ins Arbeitsleben nach der Rückkehr noch schaffen könnte.

Wir durften die beiden Schweizer in Curacao auf ihrem Katamaran besuchen und Mary erzählte uns aus ihrem spannenden Leben. Wie es dazu kam mit dem Kat um die Welt zu segeln und wo es ihnen am besten gefallen hat. Auch wie Ady einmal gar ums Überleben kämpfen musste, erfahrt ihr in unserem zweiten Segler Portrait aus Curacao!

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Mary, wie seid ihr dazu gekommen in der Schweiz alles aufzugeben und die Welt auf einem Katamaran zu bereisen?

Ady wurde eigentlich zum Segler weil er in jungen Jahren mit seinem Vater auf einem gemieteten kleinen Segelschiff drei Mal die 24 Stunden Regatte auf dem Gardasee in Italien gesegelt ist. Danach war er etliche Jahre als Backpacker unterwegs. Das Glück wollte es so, dass er auf einer 4 Jahre dauernden Backpacker Reise mal mit einem 9,5 Meter langen kleinen Katamaran zu zweit ein Jahr von Australien durch Indonesien nach den Phillipinen segeln konnte. Da entstand in ihm der grosse Traum einmal mit seinem eigenen Kat um die Welt zu segeln.

Ich Mary, flog mit 20 zum ersten Mal in einem Flugzeug in die Türkei. Hier bin ich das erste Mal mit einem Freund gesegelt. Dort habe ich den Entschluss gefasst, nach einer nicht ganz einfachen Fahrt und mit Salz verklebten Wimpern: ich werde Skipper!
Daraufhin habe ich die Skipper Prüfung in der Schweiz gemacht. Bevor man die Hochseeprüfung machen kann, muss man die theoretische und praktische Binnenprüfung machen. Erst dann kommt die umfangreiche Hochseeprüfung, welche u.a. Medizin, Mechanik, Meteorologie, Seerecht, Navigation etc. umfasst. Danach muss man 1‘000 Seemailen nachweisen können, bevor man dann stolzer Besitzer des B-Scheins (Hochseeschein) wird!
Danach war ich neben der Ausbildung in den Ferien ab und zu mal am Segeln. Als ich dann Ady kennengelernt habe, der seinen Traum in Wirklichkeit umsetzen wollte, haben wir zusammen das Ziel ins Auge gefasst, gemeinsam mit einem Katamaran um die Welt zu reisen.

Wir begannen zu sparen und nach 9 Jahren hat sich Ady dann ein Jahr vor mir aus dem Arbeitsleben verabschiedet und sich der Bootssuche gewidmet. Das war im 2008/09 nach dem Börsenkrash. Der Dollar stand damals das erste Mal überhaupt unter einem Franken. Der Ideale Zeitpunkt um zu kaufen.

Unseren Katamaran haben wir dann übrigens, was nicht ganz gewöhnlich ist, auf Ebay USA ersteigert!

Der Katamaran, ein ehemaliges Charterschiff danach ein privates Firmenschiff aus Miami, war in Ebay sehr gut dokumentiert. So haben wir geboten, die Auktion gewonnen und sind heute wirklich zufrieden! Der Deal war echt gut, obwohl es noch viel zu tun gab um startklar zu sein.

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Wie lange seid ihr schon auf dem Schiff und wohin seid ihr bis jetzt gereist?

Wie schon gesagt, haben wir den Kat 2008 gekauft. Ady war noch vor der Restzahlung einige Tage nach dem Kauf schon in Florida vor Ort, um den Kat zu begutachten. Er blieb nach dem Kauf noch einige Monate in Ford Lauderdale um viele Arbeiten am Kat zu erledigen. Ich musste in der gleichen Zeit auf eine Geschäftsreise in die USA. Dieses Mal ging ich nach dem geschäftlichen dann aber direkt zu Ady auf unseren neuen Kat, wo wir dann zusammen noch einiges reparierten und schliesslich unseren ersten Segeltrip von Miami in die Bahamas segelten.

Ich ging dann wieder in die Schweiz, kündigte Job und Wohnung, verschenkte fast mein gesamtes Habtum und nach einem halben Jahr war ich dann wieder zurück auf dem Kat, um Einzuziehen.

Von da aus segelten wir auf die Bermudas, über den Atlantik auf die Azoren, auf Madeira, Kanaren, Senegal, Gambia, Brasilien, Französisch Guyana und seit 2011 segeln wir die Karibikstaaten-Inseln rauf und runter.

Ein ganzes Jahr waren wir in Trinidad in einer Werft, wo wir nach 5 Jahren im Wasser viel am Schiff in Eigenregie abarbeiteten. Zuvor, im Wasser noch, hat es uns den Mast umgehauen. Unser Kat kam wegen einer Riesenwelle im Hafenbecken, die von einem zu schnell vorbeifahrenden Schiff gebildet wurde, zu stark ins Schwanken, so dass der provisorisch abgestützte Mast umkippte und ins Wasser fiel. Ady war noch auf dem Mast als dieser gefallen ist!

Was dann folgte ist unglaubliches Glück und Geschick, dass Ady überlebt hat.

8 Meter unter Wasser konnte er sich geistesgegenwärtig selber noch aus den zwei Sicherheitsgurten Systeme mühsahm rauswinden und im letzten Moment auftauchen zu können.

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Welcher Ort hat euch bis jetzt am besten oder am schlechtesten gefallen?

Das beste Land, vielleicht auch weil es das exotischste war, war Gambia. Es ist so eine andere Welt dort. Die Menschen dort haben nichts und sind doch so wahnsinnig herzlich. Und alle reden Englisch. Hier waren wir für 2 Monate und segelten oder motorten den Gambia Fluss hinauf der sich bis viele 100 km ins Landesinnere zieht. So segelten wir durch die Wüste in einem Fluss, so etwas vergisst man niemals mehr.

Unser Start in Gambia war zwar weniger schön. Ich ging das erste Mal ohne Ady alleine zum Zoll um dort einzuklarieren. Obwohl wir beide ein Visa hatten wollten die Beamten Geld. Einen ganzen gambischen Monatslohn!

Die Pässe gaben sie mir ohne zu bezahlen nicht mehr zurück. So musste ich dann halt wohl oder übel bezahlen. Danach habe ich erfahren, dass ich gar nichts hätten zahlen müssen.

Dass war 2-3 Tage später, und wir waren schon unterwegs den Gambia River hinauf. Wir hörten dann im Radio, dass Gambias Regierung gerade stark gegen Korruption vorgeht die sich gegen Touristen richtet. Chic angezogen haben wir uns dann 4 Wochen später entschlossen, das Geld beim zuständigen Oberboss persönlich zurück zu fordern. Wir bekamen unser Geld kurze Zeit später dann auch tatsächlich in bar zurück.

Generell wird man als Segler oft als Geldsack angeschaut. Wahrscheinlich auch weil hier viele Charterer sind, die ihr Geld in den kurzen Ferien fast verschenken und das merken sich die Einheimischen natürlich.

Wenn man aber auf einem Schiff lebt, so wie wir, ist halt alles ganz anders, denn auch wir Segler, müssen halt, ohne ein Einkommen jeden Monat, auf unser Geld schauen.

Curacao ist die erste Insel, auf welcher ich mir vorstellen könnte zu leben. Das Land ist nicht so rassistisch wie auf anderen Inseln. In St. Martin und Guadeloupe haben wir als Weisse nicht sehr gute Erfahrungen gemacht. Was wiederum aber auch mal gut ist, Rassismus umgekehrt zu erfahren.

Senegal hingegen war ganz schlimm für mich als Frau. Ich wurde dort bei den Behörden nicht wirklich akzeptiert, obwohl ich als Skipper unseres Schiffes eingetragen bin. Das war in dieser Männergesellschaft und in den Behörden wirklich äusserst schwierig.

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Mary, du bist eine sehr offene Person. Hast du einen Tipp wie man vor Ort mit den Locals am besten in Kontakt kommt?

Der Vorteil ist, wenn man mit einem Schiff unterwegs ist, dass man vor Ort alles für das tägliche Leben und den Kat, kaufen muss. So lernt man schnell viele Menschen kennen. So redet man manchmal stundenlang mit einem Verkäufer, anderen Kunden oder irgendwelchen Dazukommenden. Denn in den meisten Länder haben die Leute auch auf der Arbeit noch genug Zeit um zu kwatschen. Sicher ist es auch meine Art, offen auf Leute zuzugeben und ich organisiere sehr gerne. Wie beispielsweise verschiedene Wanderungen hier in Curacao. Timo, ein Lehrer aus Curacao, habe ich hier in einem Kaffee kennengelernt und mit ihm zusammen begannen wir Wanderungen und Ausflüge zu organisieren.

In Trinidad zum Beispiel habe ich mit einem lokalen Taxifahrer einen Deal gemacht für Fahrten an den Markt für Segler. Auf demselben Markt kannte ich seit Anfang an einen Mann der Kürbisse verkaufte, er schenkte mir, weil wir uns so gut verstanden, immer wieder Kürbissstücke. Solche Erlebnisse sind einfach schön.

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Weshalb habt ihr euch für einen Katamaran entschieden?

Ady hatte schon Erfahrung mit beiden Arten von Schiffen. Für ihn kam nur ein Katamaran in Frage. Der Lebensraum befindet sich bei Kats halt über dem Wasser. Es ist heller und mehr Licht fällt ins Schiff. So war für uns von Anfang an klar, dass wir mit einem Katamaran reisen wollten, obwohl die Segeleigenschaften etwas schlechter sind. Aber wir liegen sowiso die meiste Zeit vor Anker.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlich bei Mary und Ady bedanken, dass ich euch auf eurem Kat besuchen durfte und danke für das Interview Mary. Wir wünschen euch weiter hin alles Gute!

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Mary und Ady segeln mit einer Nautitech 395: 12m lang, 6.4m breit, 1.2m tief, 9 Tonnen schweer, 100 Quadratmeter Segel, Baujahr 1997.
Besucht die beiden um noch mehr über sie und ihre MARADY zu erfahren auf: catamaranmarady.de.tl

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Wie gefällt euch die Geschichte von Mary und Ady, welche seit Jahren um die Welt reisen? Wünscht ihr euch mehr solche Interviews auf unseren Reisen? Freuen und auf euer Feedback!

Wir haben übrigens noch zwei weitere spannende Segler-Portraits gemacht. Lilian und Hanspeter sind mit ihrer SY Whisper seit 6.5 Jahren unterwegs. Das Spezielle: die beiden sind Adis Eltern! Lernt die beiden und ihre Segler-Geschichte HIER kennen. Das Portraits über das spannende Leben des Künstlers Vincent, welcher seit 12 Jahren alleine mit dem Segelschiff die Welt bereist findet ihr HIER.

Liebe Grüässli
valeria

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Showing 12 comments
  • Sarah
    Antworten

    Wow, ein hammer Artikel! Das macht Lust auf mehr. Finde solche Geschichten immer mega inspirierend 🙂 also immer gerne interviewen, wenn ihr noch mehr spannende Menschen trifft! Viel Spass weiterhin. Sarah

    • Valeria
      Valeria
      Antworten

      Danke für deinen lieben Kommentar Sarah, freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefällt! Werd ich mir merken 🙂
      Ich finde es auch immer sehr spannend, die Lebensgeschichte von Reisenden zu erfahren. Sie erzählen einfach die spannendsten Geschichten!
      Liebi Grüässli
      valeria

  • Claudia
    Antworten

    Tolles thema wie ich finde. mit dem katamaran um die welt – klingt sehr spannend, aufregend, abenteuerlustig und auch etwas gefährlich. Aber trotzdem lädt er zum träumen und pläne schmieden ein.
    mein urlaub in den ferienwohnungen in schenna ist dagegen wohl nicht so gewagt?!
    Grüße

    • Valeria
      Valeria
      Antworten

      Mit dem Schiff um die Welt segeln ist sicher nicht jedermanns Sache, bei dir in der Ferienwohnung ist es bestimmt auch wunderschön 🙂
      Äber schon spannend und bewundernswert, diese Art zu reisen.

  • Mama Leone
    Antworten

    wow wie cool! 🙂 !!!! tolles thema 😉 und passt ja gerade gut! 🙂 !wünsche allen eine tolle reise 🙂

  • Nic
    Antworten

    Hey Vali!
    mega spannende Bricht gsi..da chunnt mer grad Fernweh über und möcht selber nur no um dWelt segle..also gern meh devo!
    Lg us de sunnige schwiiz und viel spass bim reise!
    Glg nic

    • Valeria
      Valeria
      Antworten

      Danke vill mal Nic und ganz liebi Grüässli zrug usde Philippine!

  • SHAREAT | LIFE & FOOD
    Antworten

    7 Jahre – Hut ab! Echt tolles Portrait. 🙂 Geniesst die Zeit & viele Grüsse aus Luzern

    • Valeria
      Valeria
      Antworten

      Vielen lieben Dank, freut mich sehr, dass dir das Portrait gefällt!

  • Rita
    Antworten

    Eine sehr nette Zusammenfassung über Mary und Adi’s Abenteuer auf ihrem Kat. ??

    • Valeria
      Valeria
      Antworten

      Vielen Dank für das Feedback, freut mich, dass es euch der Beitrag gefallen hat!
      Liebe Grüsse,
      Valeria

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